Leserbrief an den Liberalen Boten

Als Antwort auf Hans-Georg Peitl, Pastor bei Die Templer – Patriotische Christen Österreichs (TCÖ).

Ähm, sind Sie nun Pastor (Hirte) im biblischen Sinn oder nur Vereinsvorstand? Als Anregung: Vielleicht könnten Sie ja Ihre Postings mit einem weniger irreführenden „Titel“ oder gleich ohne unterschreiben.

Ich habe nicht gesagt, dass Sie sich als Christ aus der Politik heraushalten sollen und wenn Sie meine Aussagen sinnerfassend lesen, werden Sie das auch erkennen. Ich bin der Meinung, dass ein Pastor eine gewisse lehrmäßige Verantwortung für die ihm anvertrauen Gläubigen, auf dem Fundament der Bibel (natürlich muss trotzdem jeder für sich selbst prüfen und glauben). Das Amt als Gelegenheit zur politischen Agitation zu nutzen, ist nicht in Ordnung.(Missbrauch), umso mehr, wenn völlig kritiklos Partei für jemanden ergriffen wird, der scham- und reuelos ein ganzes Volk hinters Licht führt und das unter dem Nimbus des Christseins.

Wie dem auch sei, wenn Sie ohnehin kein Pastor sind, trifft das auf Sie nicht zu.

Was Sie mir mit dem wohlbekannten Vers über die Pharisäer, die die Steinigung der Sünderin aufgrund ihres Gesetzesbruches verlangten, sagen möchten kann ich nur erahnen. Ich hoffe nicht, dass Sie ihn ins Treffen führen wollen, um zu suggerieren, dass ohnehin alle Sünder seien, Kritik an amoralischem Handeln deshalb nicht angebracht sei?
Bitte lesen Sie die geschilderte Begebenheit bis Vers 11 weiter. Jesus sagt: „Geh hin und sündige nicht mehr!“. Diese Stelle ist kein Freibrief zum Sündigen, weil es eh alle tun. Genausowenig ist sie geeignet, Kritiker mundtot zu machen; Sünde muss einerseits vor Gott bereut und bekannt, Gottes Vergebung in Demut erbeten werden. Andererseits muss, wenn andere Personen involviert waren, danach gestrebt werden, die Folgen der Sünde wieder gut zu machen, soweit möglich.

Es kann ja sein, dass Herr Kurz sein Vergehen geheim gebeichtet hat, vielleicht sogar bereut, aber er hat die Folgen seines Vergebens nicht in Ordnung gebracht. Von der Einsicht und Konsequenz eines Zachäus, der die durch ihn Betrogenen nach seiner Sündenerkenntnis vielfach entschädigt hat (Lukas 19,8), ist sein Verhalten nicht nur meilenweit entfernt, nein, die persönliche Buße fehlt völlig.

Wenn Sie also Sebastian Kurz als einzig wählbaren Politiker (weil „Christ“) bewerben, berechtigte Kritik an ihm aber vom Tisch wischen wollen, dann ist das (bewusste) Irreführung. Kurz ist ein Mensch, Kurz ist Sünder (wie wir alle) trotz seines teuer erkauften Saubermannimages.

Außerdem: Trennung von Kirche und Staat ist sinnvoll. Und, ganz ehrlich: wenn ihnen die Karfreitagssache nicht gezeigt hat, dass diesen Menschen die Anliegen von (protestantischen) Gläubigen keinen Pfifferling wert sind, dann weiß ich nicht, /was/ Sie aufrütteln würde. Wären noch mehr Katholiken an der Macht, hätten wir wahrscheinlich eine schleichende Fortsetzung der Gegenreformation. Dann lieber laizistisch und sozial (nicht -istisch).